Wie man auf einem maledivischen Fischerboot anheuert

Malediven Fischen

Fischen auf Maledivisch

Unser aktuelles Zuhause ist ein wunderschönes, mit viel Liebe errichtetes, ganz neues Guesthouse im Nord-Male-Atoll auf der Insel Dhiffushi. Schon nach wenigen Tagen Aufenthalt haben wir uns hoffnungslos in das Haus, in die Insel und ihre Bewohner verliebt. Unser Guesthouse wird von einer kleinen Gruppe Freunde geführt, welche dieses Haus gemeinsam erbaut haben. Selbst die Möbel sind in liebevoller Handarbeit von ihnen selbst entworfen und gestaltet worden. Der Besitzer Ali, einer der Freunde kümmert sich hier noch persönlich um seine Gäste.

Fisch, Fisch und noch mehr Fisch

Die meisten Malediver essen früh, mittags und abends Fisch. Aus frischem Tuna oder Rifffisch zaubern die Malediver äußerst leckere Currys, Garudhiya deren traditionelle Fischsuppe oder Mashuni einem Thunfisch-Kokosraspel-Mix. Selbst die kleinen Teilchen die zum Afternoon-Tea gereicht werden, sind zu einem großen Teil mit Thunfisch gefüllt. Was für uns gewöhnungsbedürftig wirken mag… ist in einem Land, dass aus tausend kleinen Inseln mitten im indischen Ozean besteht nur natürlich. Schließlich ist der Fischfang neben dem Tourismus die Haupteinnahmequelle auf den Malediven.

Wie wir eines Abends erfahren, verdient auch unser Gastgeber sein Geld mit dem Fischfang. Er besitzt ein eigenes Fischerboot, welches täglich auf Thunfischfang geht.

Wie man auf einem maledivischen Fischerboot anheuert

Während uns die Malediver ganz genau berichten, wie sie ihren Fischfang betreiben und jede unserer Fragen beantworten, leuchten ihre Augen. Man hat regelrecht das Gefühl, das Meer ruft nach ihnen. Auf einmal fragt Ali uns ob wir morgen nicht mit raus fahren wollen. Wir glauben erst er mache nur Spaß, doch kurz darauf stellt sich heraus… er meint es wirklich ernst. Am nächsten Tag würde es um 23:00 Uhr los gehen. Wir müssten nur noch zusagen.

Uns eine komplette Nacht ohne Bett um die Ohren schlagen… auf einem Fischerboot mit 15-20 unbekannten Männern von denen nicht mal die Hälfte und wenn dann auch nur gebrochenes Englisch spricht? Aber logisch, da sind wir dabei. Eigentlich war es schon lange unser Wunsch, auf einem Fischerboot mitzufahren.

Wir nehmen uns vor ein wenig vorzuschlafen, doch daraus wird natürlich nichts. Um kurz vor 23:00 Uhr dann geleiten uns zwei unserer neuen Freunde zu dem Fischerboot und liefern uns dort ab.

Fischen – ein maledivisches Lebensgefühl

Wir suchen uns ein Plätzchen und warten bis es losgeht. Einer nach dem anderen trudeln noch die letzten Fischer ein und dann heißt es Leinen los. Wir ziehen uns zurück, machen es uns in zwei Jolis (traditionelle maledivische Stühle) bequem und lassen die Männer ihre Arbeit machen. Schon während wir den Hafen verlassen, montieren zwei von ihnen zwei große Scheinwerfer an die Backbord-Seite des Schiffes. Außerdem wird unaufhörlich Wasser in den Bauch des Bootes gepumpt. Natürlich haben wir keine Ahnung was das alles soll und leider haben wir auch gerade niemanden da, den wir dazu befragen können, aber uns soll bald ein Licht auf gehen.

Kleinfisch fangen leicht gemacht

Schon kurze Zeit später stoppt das Boot, wir sind verwirrt… Sind wir schon da? Es sollte doch aufs Meer hinaus gehen?

malediven-fishing

Doch auf einmal kommt leben in die Müde Mannschaft und uns wird klar was hier los ist. Wir sind auf der Suche nach Köderfischen, welche durch das Licht der Scheinwerfer an die Wasseroberfläche gelockt werden sollen. Das Wasser beginnt zu zittern und immer mehr kleine Fischchen, ca. 3 cm lang, erscheinen im Lichtkegel. Die Männer sind bereit und haben sich mit einem feinmaschigen Netz, an dem links und rechts je ein 3 Meter langer Holzstab befestigt ist, bewaffnet. Als genug Fische zusehen sind lassen zwei Männer das Netz zu Wasser. Mit Hilfe der Holzstäbe tauchen sie das Netz ganz dicht am Rumpf des Schiffes ein und schieben es dann unter dem Fischschwarm nach vorne. Drei weitere Männer sind damit beschäftigt in der Mitte das Netz nachzugeben. Kaum ist das Netz komplett ausgelegt, wird es auch schon wieder eingeholt. An den Seiten wird dafür gesorgt, dass das Netz nicht absinkt… während mehrere Hände am Netz ziehen. Das Netz wird zusammen gerafft und die kleinen Fische in den mit mit Wasser gefüllten Rumpf gegeben. Man könnte sagen sie keschern die kleinen Fische einfach ab.

malediven-fischen-1

Drei-, viermal tauchen die Fischer das Netz ins Wasser um möglichst viele Fischchen zu fangen. Dann fahren wir ein Stück weiter. Immer wenn der Kapitän eine vielversprechende Stelle entdeckt geht das Spielchen von vorne los. Die Mannschaft ist ein eingespieltes Team alles läuft ohne viele Worte ab. Und dann sieht es so aus, als ob sogar die Meeresbewohner helfen wollen. Denn plötzlich tauchen zwei-drei große Tümmler Delfine auf, die den Fischschwarm einzukreisen scheinen und somit den Fischern zuspielen. Die Delphine begleiten uns noch eine ganze Weile, bis der Kapitän so gegen vier plötzlich ganz aufgeregt seine Männer zusammen ruft. Er hat einen Riesen Schwarm Köderfische entdeckt und mahnt zur Eile diese einzufangen. Die ganze Mannschaft ist auf einmal ganz aufgeregt und holt ein Netz nach dem anderen aus dem Wasser. Nun haben sie soviel Köderfisch, dass es auch noch für den kommenden Tag reichen wird. Glücklich und zufrieden legt sich die Mannschaft verteilt aufs Deck zu einem kleinen Nickerchen nieder. Während der Kapitän endlich das Thunfisch-Fanggebiet ansteuert.

Malediven Fisher

Auch wir versuchen ein bisschen auf unseren Stühlen zu schlafen und wachen kurz vor erreichen unseres Zieles mit der Dämmerung wieder auf. Die Fischer bereiten sich nun langsam auf den eigentlichen Fang vor. Nach dem Morgengebet werden die 2,5 m langen Angelrouten aus einer Luke geholt und vorbereitet. Auch wird intensiv nach unserem Ziel Ausschau gehalten, das durch eine große rote Boje markiert ist. Als wir sie mit bloßem Auge erkennen können, sehen wir schon drei andere Boote bei ihrer Arbeit. Und ein Blick auf die Uhr sagt uns, wir sind spät dran. Der letzte große Schwarm Fischchen hat uns wohl etwas aufgehalten und somit unseren eigentlichen Zeitplan etwas durcheinander gebracht.

Thunfischen ohne Beifang

Aber nichts desto trotz, als wir die Boje erreicht haben, machen sich die Männer sogleich an die Arbeit. Etwa 12 von Ihnen stellen sich am Heck des Bootes in einer Reihe auf, um Ihre lange Angel ins Wasser zu halten.  Zum Fischen von Thunfisch werden traditionelle Angelhaken verwendet, an denen eine kleine Feder (ähnlich einer Fliege fürs Fliegenfischen) befestigt ist. Sie besitzen anders als bei der uns bekannten Angelei übrigens keine Widerhaken. Die Fischer tragen traditionell lustige, bunte Hüte mit Ohrenklappen oder alte Motorradhelme als Schutz. Direkt vor ihnen wird mit Hilfe eines selbst gebauten Rohrsystems kontinuierlich Wasser ins Meer versprüht. Dies soll so weit wir verstanden haben, einerseits ein mehr an Köderfisch vorgaukeln und zweitens den Thunfischen den Blick auf die Fischer verwehren und sie somit ablenken. Rechts und links hinter der Reihe Angler werfen zwei Männer die noch lebenden kleinen Köderfische ins Wasser, welche sie mit Hilfe eines Keschers aus dem Bauch des Schiffes fischen. Eine Weile ziehen wir so unsere Kreise auf dem offenen Meer, als plötzlich die Wasseroberfläche anfängt zu kochen und einzelne Thunfische anfangen zu springen. Auf diesen Moment haben unsere Fischer gewartet… die Tuna folgen uns und das eigentliche Spektakel kann beginnen.

Maldives fishermen

Hat ein Exemplar angebissen, reißt der Fischer augenblicklich seine Angel nach hinten. Und kaum ist der 1-5 kg schwere Fisch hinter ihm vom Haken aufs Boot gefallen, schleudert er die Angel auch schon wieder über die Köpfer aller zurück ins vor Fischen nur so brodelnde Wasser. Ein Boot nach dem anderen verlässt jetzt voll beladen das Fanggebiet in Richtung Male-Fishmarket.

malediven-tuna

Als letztes sind es nur noch wir, die einsam ihre Runden drehen und einen Thunfisch nach dem anderen aus dem Wasser ziehen. Nach einer letzten großen Runde um die Boje geht es auch für uns weiter. Allerdings beschließen die Fischer ihren heutigen Fang auf Eis zu legen und erst nach der morgigen Tour nach Male zu fahren, um ihn den auf dem Fischmarkt feil zu bieten. So beginnen die Fischer mit den Aufräumarbeiten, während der Kapitän Kurs auf Dhiffushi nimmt. Die kleinsten Tuna werden vom Smutje sofort zu einer leckeren Mahlzeit verarbeiten und fangfrisch serviert. Gestärkt und voller neuer Eindrücke erreichen wir den Hafen… Das war wirklich eine ganz spannende Erfahrung.

Übrigens: Auf den gesamten Malediven wird diese super nachhaltige Fangmethode angewandt, wobei das landesweites Verbot von Schleppnetzen und anderen großen Netzen eine Fischerei ganz und gar ohne Beifang garantiert!

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